Valiant Hearts.
Serious Games

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Nicht alle digitalen Spiele sind eine Flucht in eine andere Welt. In manchen Games macht man Erfahrungen, die letztlich dazu beitragen können, dass man die Welt, in der man lebt, besser versteht – seien es andere Länder, Kulturen, Menschen oder auch Konflikte und die Vergangenheit.

Egal, ob als Flugsimulator für angehende Piloten oder als Mathematikrätsel für Grundschüler, sogenannte Serious Games haben schon immer versucht, Wissen und Bildung zu vermitteln. Die neue Generation dieser Spiele stellt eine gekonnte Mischung aus Lern- und Unterhaltungsspiel dar, deren wichtigstes Merkmal eine Verbindung zwischen der realen und fiktiven Welt ist. Im Bestfall ist sich der Spieler der Wissensvermittlung gar nicht bewusst; er lernt unbemerkt und durch aktives Handeln und kann das erworbene Wissen und die gemachten Erfahrungen direkt auf die Realität übertragen.

In form 262 stellen wir zwei Vertreter der Serious Games vor, die wir online um weitere zwei ergänzen.




Anders als in „Antariksha Sanchar“ geht es in dem Spiel aus Frankreich, das 2014 erschienen ist, um ein konkretes historisches Ereignis: „Valiant Hearts: The Great War“ blickt auf den Ersten Weltkrieg zurück. Die Handlung folgt dafür vier spielbaren Charakteren, deren fiktive Lebensläufe sich während des Krieges kreuzen. Da ist beispielsweise Karl, ein junger Deutscher, der als Landarbeiter nach Frankreich kommt und dort Marie kennenlernt, die Tochter des Bauern Emile. Die beiden werden ein Paar und vor Kriegsbeginn wird der gemeinsame Sohn Victor geboren. Allerdings wird Karl schon bald, wie alle Deutschen im Land, von den französischen Behörden ausgewiesen und im Kaiserreich schließlich zum Kriegsdienst eingezogen. Auch sein Schwiegervater Emile erhält einen Einberufungsbefehl, jedoch um für Frankreich zu kämpfen.

Zahlreiche historische Fakten sind in das Spiel eingebettet – es wurde sogar von der Historikerkommission der französischen Mission Centenaire 14–18 für deren Exaktheit ausgezeichnet. Ganz nebenbei erfährt man im Laufe des Spiels auch mehr über Gegenstände, die man als Spielcharakter findet: Während Emile einen Füllfederhalter im Zugabteil entdeckt und an sich nimmt, lernt man, dass der Briefwechsel während des Ersten Weltkriegs stark zunahm und damit der Bedarf an Füllfederhaltern wuchs. Aber nicht nur historisches Wissen über den Ersten Weltkrieg wird hier – gut in die Spielhandlung integriert – vermittelt, sondern auch und vor allem seine Folgen: Wie rette ich die Zivilisten vor dem Giftgas? Wie entkomme ich den endlosen und mit Leichen übersäten Kriegsgräben?

Die Entwickler von Ubisoft Montpellier sehen „Valiant Hearts“ als Anti-Kriegsspiel sowie als „animiertes Graphic-Novel-Abenteuer“, das die miteinander verwobenen Schicksale der Protagonisten behandelt und von Freundschaft, Liebe, Opfer und Tragik in einer aus den Fugen geratenen Welt erzählt.

 

 


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Nº 273
Designing Protest

form Design Magazine


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Dossier
Digitale Spiele
Jahr
2015
Disziplin
Game Design, Grafikdesign, Illustration
Ausgabe
form Nº 262 (hidden)
Links
valianthearts.ubi.com

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Text: Anja Neidhardt