1. Mai 2019

News

Nachruf Shizuko Yoshikawa

(1934–2019)

Text: Jörg Stürzebecher

Sie hat die konstruktive-konkrete Kunst auf ihre ganz eigene Art geprägt, verband rationale Konzepte europäischer moderner Kunst mit der Leichtigkeit der japanischen Zen-Tradition und war eine der ersten japanischen Studierenden der HfG Ulm. Am 27. März ist Shizuko Yoshikawa verstorben.



 

Sie hatte bereits in Japan Architektur und Produktgestaltung studiert, als Shizuko Yoshikawa 1961 an die HfG Ulm kam. Noch war vieles der japanischen Kultur in Europa unbekannt oder wurde missverständlich wahrgenommen, lagen die Olympischen Spiele in Tokio 1964 mit der Einführung der Hochgeschwindigkeitszüge und die Kenntnis der Architektur Kenzo Tanges in der Zukunft, war Sushi in vielen Teilen Europas unbekannt und das landläufige Japanbild in Deutschland von Ikebana, Bonsai und Madame Butterfly bestimmt.

Yoshikawa erlebte diese Klischees in der schwäbischen Provinz unmittelbar, auf den Straßen wurde sie als Exotin angestarrt, ihr Lehrer Friedrich Vordemberge-Gildewart, ein Grafiker und konstruktiver Maler von Weltruf, sorgte für nachhaltige Irritation und Verstimmung, als er sie zwar freundlich gemeint, aber das Gegenteil bewirkend, den Kommilitonen als Geisha aus Japan vorstellte. Doch glücklicherweise bot Ulm ihr auch anderes, so konnte etwa die Zusammenarbeit mit Tomás Maldonado fortgeführt werden, den sie, wie auch ihren späteren Mann Josef Müller-Brockmann, bereits 1960 anlässlich der World Design Konferenz in Tokio kennengelernt hatte.

Seit 1963 lebte sie in der Schweiz und war zeitweise Mitarbeiterin ihres Mannes in dessen Atelier. Doch ihr eigentliches Betätigungsfeld war die freie Kunst. Hier lieferte sie wichtige Beiträge zur Erweiterung der konstruktiv-konkreten Kunst, die in der Schweiz spätestens seit den 1950er Jahren immer mehr Einfluss, auch auf die angewandte Gestaltung, fand. Ihre Arbeiten finden sich in wichtigen Sammlungen dieser Stil- und Denkrichtung, etwa dem Zürcher Haus Konstruktiv oder dem Museum Ritter in Waldenbuch, dazu gibt es viele öffentliche Raumgestaltungen von Zürich bis Tokio. Eine 2018 bei Lars Müller erschienene Monografie würdigt ihre Lebensleistung, die nicht nur im künstlerischen Bereich zu suchen ist. So hat sie in vielfältiger Weise auch Recherchen zur Schweizer Grafik, die eng mit ihrem 1996 verstorbenen Mann verbunden ist, unterstützt.

Shop

Nº 282
Simulation Shifts Design

form Design Magazine


Aws4 request&x amz signedheaders=host&x amz signature=360c43cbe5db4ae40bac5a8172460e0dbd1871a594cf86ee78d4cd1438e6cb6c Jetzt bestellen

Kontakt

Verlag form GmbH & Co. KG
Wildunger Straße 8
60487 Frankfurt am Main
Germany

T +49 69 153 269 430
F +49 69 153 269 431
form@form.de

Leserservice

Fragen zur Abonnementrechnung, zum Abonnementangebot oder Adressänderung?

T +49 69 153 269 438
F +49 69 153 269 439
leserservice@form.de

Newsletter

Melden Sie sich jetzt an, um an exklusiven Ticketverlosungen teilzunehmen, monatliche Neuigkeiten zum Magazin zu erhalten und über aktuelle Design-Events und -Publikationen informiert zu werden.

Anmelden

Design Magazine
Established 1957

 

 
form.de