27. Februar 2019

News

Nachruf Alessandro Mendini
(1931–2019)

Text: Jörg Stürzebecher

Sicher, es war nicht nur ein Produkt, mit dem Alessandro Mendini im Gedächtnis bleibt, dennoch gibt es eine Art Festlegung: typisch Mendini. Dazu gehören die im Stil diverser abstrakter Künstler bemalten Kommoden der 1930er- und 1940er-Jahre, die am Anfang der von ihm begründeten Gruppe Alchimia stehen, dazu gehört sein wohl bekanntestes und auch populärstes Produkt, der Alessi-Flaschenöffner Anna G. (1994), und dazu gehört selbstverständlich sein mehrfach variierter Sessel Proust (1978), ein Gegenstand, der Barock, Fin de Siècle und Impressionismus vereint und doch alles in etwas Neuem, dass sich vom Alten ableitet, aufhebt.



 

Proust, das ist Fragilität und Dekoration, dandyhafte Verfeinerung und kulturelle Tradition, und aus all diesen Rückblicken entsteht Gegenwart, Widerstand gegen den Rationalismus, Betonung der sinnlichen Qualitäten, die der Funktionalismus in seinen Banalisierungen ignorierte und damit auch das Recht der Menschen auf die Befriedigung vorgeblich falscher Bedürfnisse. Solches Denken schloss Dekor wie bei seiner Swatch-Uhr (1992) ebenso ein wie Ironie, vielleicht sogar Sarkasmus, wie er mit seiner auf den Adolf Meyer-Entwurf für die Fagus-Werke zurückgehenden Türklinke für FSB (1986) demonstrierte.

Doch ist die Hinwendung zu Oberflächen, die bei Proust sinnfällig ist und letztlich den Laminateinsatz bei Memphis vorbereitet, nur ein Aspekt in Mendinis Werk. Tatsächlich betrachtete er seine Arbeit als Forschen, der das Sammeln und Sichten etwa archaischer Geräte voranging, Nach-Denken war ihm ebenso wichtig wie Vorangehen, und viele seiner vordergründig banalen Um- und Unnutzungen waren auch Vergegenständlichungen intensiver historischer Reflexion.

Begonnen hat er als Maler, zu seinem Spätwerk gehört ein so großes Bauwerk wie der Neubau des Museums Groningen (1987). Schließlich ernannte ihn die Zeitschrift Architektur und Wohnen, überfälligerweise erst 2017, zum Designer des Jahres. Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts war er zusammen mit Ettore Sottsass der wohl einflussreichste Designer in Italien und trug maßgeblich zum weltweiten Verständnis von Design als analog zur Kleidungsmode wirkendem Lifestyle bei. Das muss man nicht teilen, eine Auseinandersetzung mit seinen theoretischen wie praktischen Reflexionen lohnt dennoch allemal.

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