Drei Fragen an:
Daniel Becher, Produktdesigner bei Edelrid

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Karabiner sind ein unverzichtbarer Teil der Kletterausrüstung, der entscheidend für die Sicherheit im Fall eines Sturzes ist. Somit unterliegen sie strengen Standards und müssen gleichzeitig möglichst leicht und gut zu handhaben sein. Innerhalb dieser Parameter bewegt sich der Gestaltungsspielraum von Produktdesignern wie Daniel Becher, der bei Edelrid Teil des Entwicklungsteams ist. Wir haben ihm drei Fragen zu seiner Arbeit gestellt. 




1. Wie läuft der Entwicklungsprozess eines Karabiners ab und wer ist daran beteiligt?

 

Als erster Schritt wird eine Bedarfsanalyse erstellt. Wird das Projekt nun freigegeben und sind die Rahmenbedingungen in Form eines Specification Sheets, Projektplans und einer Marktanalyse fixiert, kann mit dem Entwicklungsprozess begonnen werden. Innerhalb der Entwicklungsabteilung von Edelrid bearbeiten ein Projekt in der Regel ein Entwickler (Ingenieur) und ein Produktdesigner. Anhand des Specification Sheets gibt es bereits genaue Vorstellungen bezüglich Zielgruppe, Anforderungen, Fertigungsprozess, Preis etc. Mit dem Nineteen G-Karabiner setzten wir uns das Ziel, unter die magische 20 Gramm-Marke zu kommen und damit den leichtesten Karabiner der Welt zu entwickeln – natürlich mit voller Festigkeit. Das heißt, dass der Karabiner als Teil der persönlichen Schutzausrüstung (Schutz gegen Absturz) nach den sicherheitstechnischen Anforderungen der europäischen Norm (EN 12275) entwickelt und wie jeder andere Karabiner die Prüfung bestehen muss. Hiernach erarbeitet der Entwickler entsprechende Konzepte für die Machbarkeit, die Materialisierung, Fertigungsprozess, Timeline etc. aller Bauteile des Karabiners, die dem Produktdesigner einen Rahmen vorgeben. Oftmals werden zusammen auch mehrere Konzepte erstellt und Lösungen für bestehende Probleme gesucht – nicht selten wird dies auch im kompletten Team besprochen. Sind die Grenzen abgesteckt, können Designkonzepte erarbeitet werden, von denen ein oder auch mehrere ausgearbeitet und anhand von Prototypen überprüft werden. Vom favorisierten und ausgearbeiteten Entwurf werden nun vom Entwickler erste Muster in dem finalen Material beim Lieferanten anhand genannter Spezifikationen bestellt, um sie zu validieren und im firmeneigenen Labor zu prüfen. Sind keine weiteren Revisionen mehr nötig, werden finale Muster erstellt, um das Produkt zu zertifizieren. 




2. In welche Prozesse sind Sie als Designer involviert?

 

Unter Berücksichtigung der durch den Produktmanager erstellten Marktanalyse, einer technischen Recherche des involvierten Ingenieurs und einer von mir erstellten designorientierten Recherche werden mehrere Konzepte anhand von Moodboards, Skizzen, Zeichnungen, Mock-ups oder Prototypen angefertigt. Das favorisierte Konzept wird in mehreren Zeichnungen ausgearbeitet, die mir als Vorlage für die Erstellung des 3D-Modells dienen. Oft gibt es hier noch kleine Designanpassungen, die auf zweidimensionaler Ebene während der zeichnerischen Vorarbeit nicht immer gleich abzuschätzen sind. Anhand der 3D-Dateien können nun SLS- und/oder CNC-Prototypen erstellt werden, die wir zusammen beurteilen (bezüglich Design, Ergonomie, Dimensionierung und intuitiver Bedienbarkeit, um eine Fehlanwendung auszuschließen) und gegebenenfalls (auf Gewicht, Produktionsprozess und so weiter) optimieren. Neben der Integrierung des Hersteller-Logos, Festigkeitswerten und Normbezeichnung müssen nun noch eine Verpackung, die Gebrauchsanleitung und Produktfotos der verschiedenen Farbvarianten angefertigt werden.

 

 

3. Inwiefern ist Ästhetik bei einem Produkt, dessen technische Eigenschaften über die Sicherheit des Benutzers entscheiden, von Relevanz?

 

Auch wenn ein Karabiner primär nach sicherheitstechnischen Anforderungen und entsprechend seiner Funktion gestaltet wird, ist uns die Ästhetik enorm wichtig. Der Nineteen G-Karabiner von Edelrid verkörpert Leichtigkeit und schafft dennoch bei minimalem Materialeinsatz Vertrauen. Die abgeprüfte Sicherheit persönlicher Schutzausrüstung sollte auch als solche formal wahrnehmbar sein. Durch ein emotional ansprechendes und intuitives Design mit kollektionsübergreifender Linie möchten wir uns von Wettbewerbern differenzieren und auf uns als innovativer Hersteller von Kletter- und Bergsportausrüstung aufmerksam machen.
















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Dossier
Outdoor, Karabiner
Jahr
2015
Disziplin
Produktdesign, Industriedesign
Ausgabe
form 260
Links
edelrid.de

Mehr zum Thema Karabiner finden Sie in form 260. Das Magazin kann online über unseren Shop bestellt werden.

Text: Susanne Heinlein