form 287
Editorial:

Frauen und Design?

Text: Anton Rahlwes und Nina Sieverding

Braucht ein zeitgemäßes Designmagazin ein Editorial? Nur eine von vielen Fragen, die wir uns im Entstehungsprozess dieses Heftes gestellt haben. Weitere Fragen waren: Wie sieht ein Designmagazin im Jahr 2020 aus? Wen wollen wir zeigen? Was kann man sagen, ohne andere damit zu verletzen? Was ist ein gutes Thema? Ist „Frauen und Design“ ein gutes Thema? Brauchen wir noch Print? Brauchen wir noch Magazine? Was ist eigentlich noch mal Design? Was ist gutes Design? Und wieso sollten ausgerechnet wir das wissen?

Die Schriftgestalterin Charlotte Rohde schreibt in ihrem Essay auf Seite 68, „dass Design so schwierig ist, weil es nicht darum geht, die richtige Antwort zu finden, sondern die richtigen Fragen zu stellen“. Wenn das stimmt, dann sind wir auf einem guten Weg. Fragen haben wir nämlich genug.

Von einem Editorial wird Klarheit erwartet. Die Chefredaktion nimmt hier die Leser*innen an die Hand und führt leicht bekömmlich in die Inhalte und Strukturen des Heftes ein. Eine Empfehlung hier, ein Kommentar dort, ab und an garniert mit einem gesellschaftskritischen Kommentar. Diese Art von Klarheit bekommen Sie hier und heute nicht. Die einzige Klarheit, die wir an dieser Stelle haben, ist die klare Erkenntnis, dass auch wir fehlbar sind – wie alle Menschen, alle Medien, alle Kontextualisierungen. Übrigens ist auch alles Design fehlbar. Deswegen empfehlen wir: Nehmen Sie nichts, was Sie in diesem Heft lesen oder sehen, als unumstößlich hin. Nehmen Sie die von uns ausgewählten Inhalte zur Kenntnis, gleichen Sie sie ab, prüfen Sie sie gegen und ordnen Sie sie ein. Wir wollen kritisiert werden, wir fordern es sogar ein. Und um Ihnen den Schritt so leicht wie möglich zu machen, finden sie unter diesem Text unsere E-Mail-Adressen.

„I am not a female designer. I am a designer“, steht auf einem Poster der New Yorker Designerin Elena Miska, das sie für eine Ausstellung zum Thema „Frauen und Design“ einreichte. Sie bringt damit unsere Schwierigkeiten, uns unserem gleichnamigen Heftthema anzunähern, auf den Punkt. Eigentlich sollten wir gar nicht mehr über „Frauen und Design“ sprechen müssen. Frauen stellen die Hälfte der Weltbevölkerung dar. Und manche Frauen designen. Trotzdem sind sie – wie in den meisten Berufsbranchen – weniger sichtbar als Männer. Nur eine kleine Prozentzahl aller Creative und Art Directors in den Designagenturen sind weiblich. Dass Studien in den meisten Fällen von Firmen mit männlichen Entscheidern in Auftrag gegeben werden, produziert Datenlücken, die sich später in den Produkten und Algorithmen von – wieder überwiegend männlichen – Produktdesignern und Programmierern niederschlagen. So passiert es schnell, dass weibliche Nutzerinnen im Entwurfsprozess gänzlich übersehen werden. Den wenigen weiblichen Produktdesignerinnen fehlen auf der anderen Seite die Vorbilder: Als wir die Berliner Designerin Hanne Willmann im Interview nach ihren weiblichen Vorbildern fragten, fielen ihr nur wenige ein.

Wir haben uns für dieses Heftthema entschieden, weil wir einen Präzedenzfall für uns selbst schaffen wollten. Wir begreifen uns als Designmagazin für alle Menschen. Wenn wir es geschafft haben, ein Heft mit talentierten Designer*innen und großartigen feministischen Designprojekten zu füllen, dann sollte uns das auch in jedem weiteren Heft gelingen. Bedanken möchten wir uns bei allen Mitwirkenden und Porträtierten, unserem Team sowie bei Stephan Ott und Katharina Zemljanskij für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr. Wir wünschen den beiden alles Gute.

 

Anton Rahlwes und Nina Sieverding

anton.rahlwes@form.de / nina.sieverding@form.de

Chefredaktion



 

PS: Das Cover dieser Ausgabe ist übrigens ein Augenzwinkern. In Zeiten von fluiden Geschlechtern müssen wir uns der Frage stellen: Wie beurteilen wir Geschlechter? Etwa nach dem Aussehen? Die Genderforscherin Uta Brandes kann Ihnen diesbezüglich vielleicht weiterhelfen ↗ S. 126. Auf Seite 175 finden Sie die Geschichte hinter dem Covermotiv.

 

PPS: Die form erscheint – vorerst deutschsprachig – alle drei Monate (März, Juni, September, Dezember). Der bisherige Preis wird auf 15 € gesenkt – und das trotz größeren Umfangs. Mit 180 Seiten hat das Heft nun mehr Luft für grafische Überraschungen, hochwertige Fotostrecken und mutige Texte.

Shop

form 287
Frauen und Design

form Design Magazine


Grid one form287 cover 700px cover Jetzt bestellen

Kontakt

Verlag form GmbH & Co. KG
Sophienstraße 26
60487 Frankfurt am Main
Germany

T +49 69 153 269 430
F +49 69 153 269 431
form@form.de

Leserservice

Fragen zur Abonnementrechnung, zum Abonnementangebot oder Adressänderung?

T +49 69 153 269 438
F +49 69 153 269 439
leserservice@form.de

Newsletter

Melden Sie sich jetzt an, um an exklusiven Ticketverlosungen teilzunehmen, monatliche Neuigkeiten zum Magazin zu erhalten und über aktuelle Design-Events und -Publikationen informiert zu werden.

Anmelden

Design Magazine
Established 1957

 

 
form.de