Nº 271

Editorial

Design

Was der Gestalter auch tut, so könnte man in Anlehnung an Epikurs Warnung sagen, er sollte es klug tun und das Ende bedenken. Bei der Flut von Innovationen und Großartigkeiten, wie sie beispielsweise jüngst zur Mailänder Möbelmesse wieder angekündigt wurden, stellt sich allerdings die Frage, ob Gestalter die Konsequenzen ihres Tuns immer im Blick behalten. Was ist eigentlich aus den angekündigten Innovationen und Großartigkeiten – sagen wir des Salone del Mobile 1997 – geworden? Andersherum gefragt: Wären nicht die Produkte von damals, die heute noch relevant sind, die eigentlichen Innovationen und Großartigkeiten? In diesem Sinne ist die Beschäftigung mit der Vergangenheit immer auch Gegenwartsbetrachtung, ob in der Anthropologie, in der Literatur oder in der Werbung. Auch hilft diese Art von Gegenwartsbetrachtung bei der Zukunftsplanung, beispielsweise von Städten. Und auch der unausweichliche Tod, für viele Menschen die Inkarnation des Endes, ist es zumindest aus Sicht der Trauernden wert, bedacht zu werden.

 

Kontext

In unserem Schwerpunkt „Gefahr“ geht es ebenfalls um weitreichende Konsequenzen. Gefahren, vor denen auf Plakaten oder Schildern gewarnt wird, gehören hier ebenso dazu, wie die Bediensicherheit von Maschinen, deren sämtliche Aspekte bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden müssen. Und auch die Frage, welche Risiken wir einzugehen bereit sind, ist zu bedenken, wobei längst nicht mehr klar ist, ob wir überhaupt noch unsere eigenen Risiken tragen oder die von Autoritäten, deren Autorität wir immer weniger anerkennen, eben weil sie uns immer häufiger in Gefahr bringen.

 

Situation 

Dinge wie Menschen lassen sich instrumentalisieren und als Instrumente lassen sie sich leicht zweckentfremden. Oft werden dann aus Autos Waffen und aus Menschen Marionetten von Ideologen. Das werden wir nie gänzlich verhindern können, erst recht nicht, solange Populisten Sicherheit und Freiheit mithilfe von Gegeninstrumenten wie Mauern, Zäunen oder Zöllen herzustellen gedenken. Denn auch diese sind nichts anderes als Instrumentalisierungen. Sicherheit und Freiheit lassen sich aber nicht von außen verordnen. Eine freie Gesellschaft kann sich nur aus sich heraus in Sicherheit befinden, unter anderem auch deshalb, da sie nicht ignoriert, dass auch Unsicherheit immer existiert. Wer Sicherheit ohne Unsicherheit denkt, bekommt es mit der Angst zu tun und öffnet sich immer mehr blindem Aktionismus und Propaganda.

„Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe!“ Mit Goethe zwar, aber doch ungern, lassen wir unsere Redakteurin Marie-Kathrin Zettl ziehen, danken ihr sehr und wünschen alles Gute.

 

Stephan Ott, Chefredakteur

 

P.S.: Auf dem Salone del Mobile 1997 stellte übrigens David Lynch seine neue Möbelkollektion vor. In der Pressemeldung des seit 1998 insolventen Herstellers Casanostra AG hieß es: „Die Möbel offenbaren einen funktionalen Lebensstil und eine Liebe zu Materialien, verbunden mit perfekter Handwerkskunst.“ Klingt irgendwie vertraut.

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Nº 271. Gefahr
Mai/Jun 2017

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